Acht familienfreundliche Unternehmen in der Wetterau ausgezeichnet

Landrat Joachim Arnold hat am vergangenen Mittwoch, acht Unternehmen der Region als familenfreundliche Betriebe ausgezeichnet. Im Plenarsaal des Friedberger Kreishauses erhielten die Apotheke am Marktplatz (Ortenberg), @one IT GmbH (Friedberg), Heinrich Betz GmbH & Co. KG (Ortenberg), etimark GmbH & Co. KG (Bad Nauheim), Johanniter-Stift Karben, Pegasus Spiele GmbH (Friedberg), Pflegedienst Wirsing GmbH & Co. KG (Altenstadt) und die Sparkasse Oberhessen die Verleihungsurkunde.

Bereits zum dritten Mal wurden Unternehmen aus der Wetterau für ihre Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgezeichnet. Insgesamt wurden bislang 24 Unternehmen auf diese Weise gewürdigt.

Die Auszeichnung wird vom Wetteraukreis und dem Arbeitskreis Beruflicher Wiedereinstieg vergeben, dem neben dem Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises das Jobcenter Wetterau, die Agentur für Arbeit, FAB gGmbH, RDW Wetterau, das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Wirtschaftsförderung Wetterau, aNet Wetterauer Netzwerk für Alleinerziehende und die vhs Wetterau angehören.

Die Jury, in der die Kreishandwerkerschaft, die IHK, die Wirtschaftsförderung Wetterau, eine Unternehmerin und Botschafterin des Wetteraukreises sowie die AG Wiedereinstieg vertreten sind, hat über die Vergabe der Auszeichnung entschieden.

„Wir wollen mit der Auszeichnung erreichen, dass gute Beispiele zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie regional bekannt werden und damit andere Unternehmen zur Nachahmung anregen“, erläutert Kornelia Schäfer, Leiterin des Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit.

„Familienfreundlichkeit ist keine Frage von Größe oder der Branche von Unternehmen, wie die ausgezeichneten Betriebe eindrücklich zeigen. Für die Fachkräftesicherung wird es wichtiger, die Vorteile herauszustellen, die ein Unternehmen bieten kann und die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Familienfreundliche Regelungen gewinnen daher zusätzlich an Bedeutung. Denn, um gute Fachkräfte zu halten und zu gewinnen, braucht es auch ein gutes Arbeitsumfeld, das berücksichtigt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Familienaufgaben haben. Auch in der Kreisverwaltung haben wir gute und langjährige Erfahrungen mit familienfreundlichen Angeboten gemacht“, so Landrat Arnold in seiner Ansprache. Wichtig sei, dass sich die Menschen im Betrieb wohlfühlten.

Welche Rahmenbedingungen können Unternehmen schaffen, die es Müttern und Vätern erlauben, Familie, Kinder, Haushalt, Privatleben und den Beruf unter einen Hut zu bringen? Oder die Beschäftigten auch die Pflege von Angehörigen in Kombination mit der Berufstätigkeit erlaubt?

Flexible Arbeitszeitregelungen

Alle ausgezeichneten Betriebe bieten flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Umfangreiche Wochenarbeitszeitmodelle hat zum Beispiel die Sparkasse Oberhessen für ihre fast 1.000 Beschäftigten, die bisher überwiegend von den Mitarbeiterinnen genutzt werden, ebenso wie Führungspositionen in Teilzeit. Dr. Wilhelm Ott, Bereichsleiter Personal der Sparkasse Oberhessen, sprach von einem Wettbewerb der Arbeitgeber. „Wir müssen etwas tun, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu behalten.“

Aber auch in kleineren Unternehmen, wie zum Beispiel bei der etimark GmbH & Co. KG gibt es Führung in Teilzeit und ein Arbeitszeitkonto, das bei Bedarf mehr Flexibilität in der Arbeitszeit bietet.

Auch die Mitarbeiterinnen der Apotheke am Markt in Ortenberg arbeiten mit einem ausgeklügelten Arbeitseinsatzplan, um die Öffnungszeiten der Apotheke und die familiären Bedarfe weitgehend in Übereinstimmung zu bringen. „Den Arbeitsplan macht bei uns eine Mitarbeiterin. Das ist zwar viel Arbeit, aber es läuft prima, so dass wir auch meist kurzfristige Veränderungen und Engpässe gut abfangen können“, erläutert Regine Hartung, die gemeinsam mit ihrem Bruder Jan Ott die Apotheke führt.

Mit Homeoffice-Regelungen, die Spielraum bei Arbeitszeit und Arbeitsort lassen, punkten die Friedberger Unternehmen @one IT GmbH und Pegasus Spiele GmbH. Thomas Novak von @one IT GmbH bestätigte: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mittlerweile auch Männersache“.

Unterstützung bei der Kinderbetreuung

In vielen Betrieben können Kinder im Notfall mitgebracht werden. Es gibt Väter in Teilzeit und Elternzeit ebenso wie Führungsstellen in Teilzeit und Zuschüsse für Kinderbetreuung.

Eine Kinderbetreuung für den Notfall, wenn zum Beispiel die Kita geschlossen hat oder Tageseltern erkrankt sind, hat die Altenpflegeeinrichtung Johanniter-Stift Karben mit Unterstützung durch den Nachbarschaftshilfeverein „Herz und Hand“ Karben eingerichtet. Mögliche Engpässe und Personalausfälle werden dadurch verringert. Die Kosten für die „Zwergenhilfe“ werden von einer Stiftung getragen.

Betreuungstouren, die an den Bedarf von Eltern kleinerer Kinder angepasst sind, werden vom Pflegedienst Wirsing in Altenstadt angeboten. „Die Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Familie ist heute ein Muss, sonst gehen uns die Pflegekräfte aus“, unterstreicht Christa Wirsing, die Seniorchefin des Pflegedienstes.

Gute Arbeit – Gutes Betriebsklima

Neben den familienfreundlichen Regelungen haben viele ausgezeichnete Unternehmen auch Gesundheits- und Sportangebote und weitere Sozialleistungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So bietet die Firma Betz GmbH & Co. KG in Ortenberg zum Beispiel einen Lauftreff mit einem Sporttrainer und Familientage für die Familien der Beschäftigten. Außerdem engagiert sie sich in der Vereinsförderung und bei regionalen Veranstaltungen und erreicht darüber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Firma Betz investiert erfolgreich und in großem Umfang in die Aus- und Weiterbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie die Leiterin der Administration Anne Reichel erläutert.

„Familie ist das Wichtigste im Leben“, sagt der Geschäftsführer von Pegasus Spiele GmbH, Andreas Finkernagel. Im Unternehmen wird sehr individuell auf die jeweilige Familien- und Lebenssituation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingegangen. Gesundheitsförderung, bezahlte Weiterbildungen, ein kostenloses Spiel pro Monat und gemeinsame Freizeitaktivitäten runden das Angebot ab.

Langjährige Betriebszugehörigkeiten, geringe Fluktuation sind ein Zeichen für zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein gutes Betriebsklima. Darauf legen viele der familienfreundlichen Unternehmen großen Wert.

Zukunftsthema – Pflege von Angehörigen

Was Unternehmen tun können, um Beschäftigte mit Pflegeaufgaben zu entlasten, referierte Dr. Angela Joost vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Sie stellte die Hessische Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ und deren Angebote für Arbeitgeber vor. So können Arbeitgeber, die der Initiative beigetreten sind, unter anderem Mitarbeiter/-innen zu Pflegelotsen ausbilden lassen, damit diese den pflegenden Angehörigen in den Betrieben dann eine erste Orientierung über unterstützende Hilfen geben können.

„Durch die demografische Entwicklung und veränderte gesellschaftliche Bedingungen wird die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wesentlich an Bedeutung gewinnen. Daher ist es wichtig, dass sich auch Unternehmen frühzeitig mit dem Thema befassen, um gute Lösungen zu entwickeln“, erläuterte Landrat Arnold.

Mehr über familienfreundliche Unternehmen im Wetteraukreis und ihre differenzierten Angebote auf der Seite Öffnet externen Link in neuem FensterFamilienfreundliche Wetterau. Informationen auch bei der Hessischen Initiative Öffnet externen Link in neuem FensterBeruf und Pflege.

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